Finnland zeigt einen anderen Weg: Wie E-Rechnungsstellung ohne Mandat skaliert wurde

Zusammenfassung
Der Erfolg Finnlands bei der E-Rechnung beruht auf einem langfristigen, marktorientierten Übergang statt auf plötzlichen, strengen Verpflichtungen.
Ein Vier-Ecken-Netzwerkmodell, das von Banken und Dienstleistern unterstützt wurde, ermöglichte eine frühe und weit verbreitete Akzeptanz, insbesondere bei KMU.
Die Akzeptanz ist hoch: über 90 % im Bereich Business-to-Government (B2G) und 70–80 % im Bereich Business-to-Business (B2B) bis 2025. Dieser Erfolg ist das Ergebnis gezielter B2G-Vorgaben in Kombination mit einem starken, markgetriebenen Pull im B2B-Sektor.
Finnland bewegt sich nun auf eine umfassendere Vision einer „Echtzeitwirtschaft“ (Real-Time Economy, RTE) zu und nutzt E-Rechnungen als Grundlage für vollständig digitale Geschäftsprozesse.
Finnland wird oft als eine der gereiftesten und marktorientiertesten Erfolgsgeschichten Europas im Bereich der elektronischen Rechnungsstellung angeführt. Anstatt sich auf plötzliche Verpflichtungen oder zentralisierte Plattformen zu stützen, hat das Land im Laufe der Zeit ein ausgereiftes, interoperables E-Invoicing-Ökosystem aufgebaut. Dieser Artikel untersucht, warum E-Invoicing in Finnland so gut funktioniert, was den Ansatz des Landes besonders macht und warum er zunehmend als Referenzpunkt für andere Länder dient, die ihre eigenen Übergänge zur digitalen Rechnungsstellung vollziehen.
Ein langfristiger Übergang, keine plötzliche Vorschrift
Der Erfolg Finnlands mit der E-Rechnungsstellung ist das Ergebnis eines langen, bewussten Prozesses. Die Grundlagen wurden vor mehr als 20 Jahren gelegt, als Finnland die direkte bilaterale E-Rechnungsstellung einführte, die Vermittler auf ein Minimum reduziert, und im Jahr 2005 eine der weltweit ersten nationalen Implementierungen der Peppol Netzwerk. Durch die enge Zusammenarbeit von öffentlichen Behörden, privaten Unternehmen, Banken und Technologieanbietern konzentrierten sich die Stakeholder frühzeitig auf Standardisierung, Interoperabilität und praktische Nutzbarkeit, anstatt auf strenge gesetzliche Verpflichtungen zu warten.
Dieser kollaborative Ansatz ermöglichte es Unternehmen, sich schrittweise anzupassen, Vertrauen in digitale Prozesse aufzubauen und in ihrem eigenen Tempo in Automatisierung zu investieren. Infolgedessen wurde die E-Rechnungsstellung lange bevor sie als regulatorische Anforderung formuliert wurde zu einem integralen Bestandteil des Tagesgeschäfts.
Das Vier-Ecken-Netzwerkmodell: Flexibilität durch Design
Im Gegensatz zu einigen anderen Ländern, die sich auf eine einzige zentrale Regierungsplattform stützen, betreibt Finnland eine Vier-Ecken-E-RechnungsmodellIn diesem Setup verbinden sich Absender und Empfänger über ihre gewählten Dienstanbieter, wie zum Beispiel Banken oder E-Invoicing-Betreiber, mit dem Netzwerk. Diese Anbieter leiten die Rechnungen dann sicher zwischen den Parteien weiter.

Dieses Modell schafft ein entscheidendes Gleichgewicht zwischen Flexibilität und Standardisierung. Unternehmen behalten die Freiheit, ihre Anbieter zu wählen, während strukturierte Formate und gemeinsame Regeln gewährleisten die Interoperabilität im gesamten Netzwerk. Das Ergebnis ist ein marktorientiertes Ökosystem, das sich effizient skaliert, ohne zu fragmentieren.
Dieses Modell steht in starkem Kontrast zu dem vieler anderer EU-Länder, die verpflichtende, zentrale Plattformen einführen, wie KSeF in Polenoder die Verwendung bestimmter, gebührenpflichtiger Vermittler zu verlangen, wie die „Zugelassene Plattformen” (PAs) in Frankreich. Finnlands Ansatz ermöglicht einen hoch wettbewerbsfähigen Markt mit minimalen verpflichtenden Intermediären, was die Austauschkosten niedrig hält und direkte Verbindungen fördert.
Die Rolle der Banken als Treiber früher Akzeptanz
Ein besonderes Merkmal der E‑Rechnungslandschaft Finnlands ist die zentrale Rolle, die von den Banken gespielt wird. Anders als in vielen anderen Ländern, in denen die Einführung in erster Linie von spezialisierten IT-Anbietern vorangetrieben wurde, gehörten finnische Banken zu den frühesten Förderern von strukturiertem E‑Rechnungsversand.
Noch heute senden und empfangen viele KMU in Finnland E-Rechnungen direkt über ihre Online-Banking-Oberflächen. Die Einbettung der E-Rechnungsstellung in vertraute Banktools senkte die Einstiegshürde erheblich, beschleunigte die Verbreitung in der Geschäftswelt und stellte sicher, dass die digitale Rechnungsstellung weit über große Unternehmen hinaus zugänglich war.
Standards, die Interoperabilität und Compliance unterstützen
Finnlands Ökosystem verbindet nationale und europäische Normen pragmatisch. Historisch, Finvoice und TEAPPSXML, zwei verschiedene UBL‑basierte Formate, die als Finnlands nationale CIUS (Core Invoice Usage Specifications) für EN 16931ermöglichte eine frühe inländische Automatisierung und Interoperabilität und stellte gleichzeitig die Einhaltung der europäischen Norm sicher. Finnland unterstützt außerdem Peppol BIS Billing 3.0 für einen nahtlosen grenzüberschreitenden Austausch über den Peppol-Netzwerk.
Die E-Rechnung ist seit 2010 für Business-to-Government-Transaktionen (B2G) verpflichtend und verwendete zunächst Vor-EN-16931-Versionen dieser nationalen Standards. Ab dem 1. April 2019 waren zentrale Regierungsstellen verpflichtet, EN-16931-konforme E-Rechnungen (Finvoice 3.0, TEAPPSXML 3.0, UBL 2.1, CII oder Peppol BIS 3.0) zu empfangen und zu verarbeiten gemäß dem eRechnungs-Gesetz 241/2019, wodurch der Umfang auf nationale Beschaffungsschwellen ausgeweitet wurde.
Im B2B-Bereich bleibt die Einführung der E-Rechnung in Finnland zwar freiwillig, ist aber sehr effektiv und erreicht eine geschätzte Durchdringung von 70–80 %. Nach dem E-Invoicing-Gesetz haben Unternehmen mit einem Umsatz von über 10.000 € das Recht, EN-konforme E-Rechnungen anzufordern und Papier- oder PDF-Formate abzulehnen. Anstatt durch Verpflichtungen wurde dieser Erfolg durch Marktkräfte vorangetrieben, wobei große Käufer wie Nokia und KONE die Einführung anführten, indem sie E-Rechnungen verlangten, um von niedrigeren Verarbeitungskosten, weniger Fehlern und schnelleren Zahlungszyklen zu profitieren.
Dieser duale Ansatz hat es Finnland ermöglicht, die europäischen Vorschriften einzuhalten und gleichzeitig die Kontinuität für Unternehmen zu wahren, die früh in nationale Formate investiert haben.
Hohe Einführung ohne aggressive Vorgaben
Einer der auffälligsten Aspekte der Erfahrungen Finnlands ist das hohe Maß an Akzeptanz, das ohne aggressive Vorgaben erreicht wurde. Derzeit übersteigt die B2G-Adoption 90 %, und die B2B-Durchdringung wird bis 2025 auf 70–80 % geschätzt. Obwohl gesetzliche Anforderungen, wie oben beschrieben, einen Mindeststandard für die öffentliche Auftragsvergabe festlegten, entstand die weit verbreitete B2B-Adoption in erster Linie durch wirtschaftliche und operative Anreize, die durch Marktnachfrage getrieben wurden. Dieser Ansatz steht im Kontrast zu dem regulatorischen Druck in Ländern wie Polen, Frankreich und Deutschland, wo verpflichtende B2B-Einführungen mit hohen Geldbußen durchgesetzt werden.
Heute ist die große Mehrheit der in Finnland ausgetauschten Rechnungen elektronisch und strukturiert. Dies zeigt, dass Unternehmen digitale Prozesse übernehmen werden, selbst ohne allgemeine Vorgaben, sofern eine verlässliche Infrastruktur, klare Standards und leicht zugängliche Werkzeuge vorhanden sind.
Von der elektronischen Rechnungsstellung zur „Echtzeitwirtschaft“ (RTE)
Aufbauend auf seinem starken Fundament im Bereich der E-Rechnungsstellung schreitet Finnland nun in Richtung einer breiteren Vision voran, die als „Echtzeitwirtschaft (RTE)“. Diese Initiative zielt darauf ab zu digitalisieren und standardmäßig nicht nur Rechnungen, sondern auch Quittungen, Frachtbriefe und andere wichtige Geschäftsdokumente automatisieren.
Ziel ist es, nahezu in Echtzeit verfügbare Finanzberichterstattung, verbesserte Transparenz und effizientere Datenflüsse über den gesamten Geschäftslebenszyklus hinweg zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang ist E-Invoicing ein Eckpfeiler – nicht ein Endzustand – für eine stärker automatisierte, datengesteuerte und vernetzte Wirtschaft.
Durch das Programm Real-Time Economy (RTE) (2019–2024, jetzt fortgeführt) koordiniert die finnische Regierung diesen Übergang und strebt bis 2030 ein vollständig digitales Ökosystem an. In diesem Ökosystem kommunizieren Dienste automatisch über gemeinsame Standards (z. B. eKuitti für Kassenbelege sowie Finvoice, TEAPPSXML und Peppol für Rechnungen). Finanzdaten fließen in Echtzeit zwischen Unternehmen, Banken und Behörden. Meldepflichten werden abnehmen, da strukturierte Geschäftsdaten die Steuerbehörden und Statistics Finland direkt versorgen.
E-Rechnungsstellung war das Fundament. Jetzt positioniert das RTE-Programm Finnland als Vorreiter in Europas digitaler Wirtschaft, in der Unternehmen Zeit sparen, Behörden Echtzeit-Einblicke in die Einhaltung von Vorschriften gewinnen (geschätzte jährliche Einsparungen von 150–200 Millionen € in der Steuerverwaltung) und Daten zu einem Wettbewerbsvorteil werden.
Was andere Länder von Finnland lernen können
Die Erfahrungen Finnlands bieten mehrere Lehren für Länder, die sich noch in ihrem eigenen Übergang zur E-Rechnungsstellung befinden:
Fange früh an und denke langfristig: Nachhaltige Einführung wird über Jahre hinweg durch Zusammenarbeit aufgebaut, nicht durch überstürzte Vorgaben.
Regulierung mit Marktanreizen in Einklang bringenGezielte B2G‑Vorgaben können mit einer freiwilligen B2B‑Übernahme koexistieren, die durch Effizienzgewinne vorangetrieben wird.
Interoperabilität priorisierenDie Unterstützung sowohl nationaler als auch europäischer Normen gewährleistet die inländische Effizienz und ermöglicht zugleich den grenzüberschreitenden Handel.
Vertrauenswürdige Vermittler nutzen: Banken und etablierte Dienstleister können eine entscheidende Rolle dabei spielen, die Einführung durch KMU zu beschleunigen.
Barrierefreien öffentlichen Support bereitstellen: Ressourcen wie das kostenlose Suomi.fi Portal, das Unternehmen jeder Größe Zugang zu E-Invoicing-Diensten (Finvoice/TEAPPSXML/Peppol) bietet, sind entscheidend, um die Einführung durch KMU zu beschleunigen.
Finnland als Blaupause
Das finnische Modell kann nicht von jedem Land exakt kopiert werden. Rechtsrahmen, Marktstrukturen und der Grad der digitalen Reife unterscheiden sich in Europa. Dennoch zeigt Finnland deutlich, dass Erfolg beim elektronischen Rechnungswesen keine starren zentralen Plattformen oder sofortige universelle Verpflichtungen erfordert.
Stattdessen kann ein hybrider Ansatz, der Zusammenarbeit, Standardisierung, vertrauenswürdige Intermediäre und eine klare langfristige Vision kombiniert, zu hoher Akzeptanz, starker Compliance und Bereitschaft für zukünftige digitale Initiativen führen. Für Länder, die ihre Rechnungslandschaften modernisieren möchten, ist Finnland ein überzeugendes und praxisnahes Beispiel.
Entwicklung einer zukunftssicheren E‑Rechnungsstrategie
Finnlands Reise zur elektronischen Rechnungsstellung zeigt, dass nachhaltige digitale Transformation ebenso sehr eine Frage des Ökosystem-Designs ist wie eine der Regulierung. Durch Priorisierung der Interoperabilitätindem vertrauenswürdige Partner wie Banken einbezogen werden und Unternehmen die Möglichkeit erhalten, strukturierte Rechnungsstellung in ihrem eigenen Tempo einzuführen, hat Finnland eine weitverbreitete Einführung erreicht, ohne übermäßige Vorschriften zu erlassen.
Da immer mehr Länder E-Rechnungsmandate einführen oder ausweiten, bietet Finnlands Erfahrung wertvolle Einblicke: zuerst solide Grundlagen schaffen, Anreize mit echtem geschäftlichem Mehrwert in Einklang bringen und betrachten E-Rechnungsstellung als Katalysator für eine umfassendere digitale und wirtschaftliche Transformation statt einer eigenständigen Verpflichtung.
Um sicherzustellen, dass Ihr Unternehmen auf sich entwickelnde Vorgaben weltweit vorbereitet ist – von neuen technischen Standards bis hin zu gestaffelten Einführungen –, sollten Sie sicherstellen, dass Sie folgen Sie uns auf LinkedIn.

Felipe Jhones Dos Santos
Marketer, Banqup Group
Felipe is a marketing professional specialised in Marketing and International Business and is currently based in Madrid. Most of his professional experience has been developed in B2B and SaaS environments, particularly within the financial and technology sectors. He has worked on initiatives ranging from campaign development and brand positioning to customer journey optimisation and the alignment between marketing and commercial teams. His approach is focused on clarity, consistency, and creating impact through well-structured execution.




