Das globale Handbuch der OECD für die Echtzeit-Mehrwertsteuerberichterstattung und warum es jetzt wichtig ist

Zusammenfassung
  • Der OECD-Bericht für 2026 beschreibt, wie Länder digitale Systeme gestalten und betreiben sollten Kontinuierliche Transaktionskontrollen (CTCs) für die Mehrwertsteuer.

  • Es fördert Interoperabilität und dezentralisierte Modelle, um eine globale Fragmentierung zu verhindern.

  • Datenschutz, Einbindung von KMU und Skalierbarkeit sind als zentrale Designprinzipien positioniert.

  • Der Bericht dient als strategische Brücke zwischen EU-Initiativen wie ViDA und aufkommenden Mandaten weltweit.

Die Bühne bereiten

Die OECD hat still und leise eine Richtlinie zur Steuerdigitalisierung veröffentlicht, die sich als die einflussreichste des nächsten Jahrzehnts erweisen könnte. Ihr neuer Bericht über Digitale kontinuierliche transaktionsbezogene Berichterstattung für die Mehrwertsteuer legt dar, wie Regierungen auf die Echtzeitberichterstattung umstellen sollten, ohne den globalen Handel zu beeinträchtigen, Unternehmen zu überfordern oder den Datenschutz zu gefährden.

Von periodischen Mehrwertsteuererklärungen zu Echtzeitberichterstattung

Steuerbehörden auf der ganzen Welt bewegen sich weg von periodischen, aggregierten Umsatzsteuer-Meldungen hin zu einer transaktionsbezogenen, nahezu in Echtzeit erfolgenden Datenerfassung. Das Ziel ist klar: die Mehrwertsteuerlücke verringern, die Compliance verbessern und einen schnelleren Einblick in die wirtschaftliche Aktivität gewinnen.

Der OECD-Bericht von 2026 erkennt diesen Wandel als unvermeidlich an. Wichtiger ist jedoch, dass er das Risiko erkennt, dass Länder ohne Koordinierung möglicherweise nicht kompatible Systeme einführen, wodurch multinationale Unternehmen gezwungen wären, Dutzende lokaler Integrationen und digitale Grenzen in einer globalen Wirtschaft neu schaffen. Dieser Bericht ist die Antwort der OECD auf dieses Risiko.

Ein klarer Vorstoß in Richtung Interoperabilität

Eines der stärksten Signale in dem Bericht ist die Abkehr der OECD von rein lokale oder proprietäre Standards. Stattdessen plädiert der Bericht ausdrücklich für international anerkannte Standards, insbesondere jene, die von der Internationale Organisation für Normung (ISO) und das United Nations Centre for Trade Facilitation and Electronic Business (UN/CEFACT), als Grundlage für zukünftige CTC- und E-Invoicing-Systeme.

Die Botschaft ist klar: Echtzeit-Steuerberichterstattung sollte nicht bedeuten, Formate von Land zu Land neu zu erfinden.

Für Unternehmen und Technologieanbieter bestätigt dies den langfristigen Trend, der in Initiativen wie sichtbar ist PEPPOL, PINT, und EN 16931: Interoperabilität ist nicht länger optional; sie ist der Eckpfeiler moderner Steuerpolitik.

Zentralisierte vs. dezentralisierte Modelle: Eine stille Präferenz

Der Bericht untersucht zwei dominante globale Ansätze:

  1. Zentralisierte Modelle, in dem jede Rechnung über eine staatliche Plattform laufen muss, bevor sie ausgetauscht wird.

  2. Dezentralisierte (mehrere Ecken umfassende) Modelle, in denen zertifizierte Dienstleister den Austausch und die Berichterstattung an die Steuerbehörden erleichtern.

Während der Bericht der OECD zwar davor zurückschreckt, ein einziges Modell vorzuschreiben, tendiert er doch eindeutig zu dezentralisierte Architekturen. Diese werden als besser skalierbar, widerstandsfähiger und weniger anfällig für systemische Ausfälle wie z. B. Ausfallzeiten von Regierungsservern dargestellt. Dies ist eine bemerkenswerte Bestätigung von Modellen, die bereits in Teilen Europas und in den nordischen Ländern verwendet werden, sowie ein Signal an Länder, die neue Systeme von Grund auf entwerfen.

Über Compliance hinaus: Datenschutz und Einbeziehung von KMU

In einer Welt der Berichterstattung in Echtzeit warnt die OECD ausdrücklich vor Übererfassung. Es ermutigt die Steuerbehörden, nur die für die Durchsetzung der Mehrwertsteuer erforderlichen Daten anzufordern, wobei Datenschutz und Verhältnismäßigkeit als Gestaltungsprinzipien und nicht als regulatorische Hindernisse dargestellt werden.

Gleichzeitig befasst sich der Bericht mit der „KMU-Lücke“. In Anerkennung der Tatsache, dass Compliance-Kosten kleinere Akteure überproportional stark treffen können, empfiehlt er konkrete Maßnahmen, wie zum Beispiel kostenlose staatliche Portale, Tax-Tech-Gutscheine und vereinfachtes Onboarding. Die zugrunde liegende Botschaft ist pragmatisch: Ein System, das kleine Unternehmen ausschließt, wird niemals vollständige Compliance erreichen.

Die praktische Auswirkung: Was das für Ihr Unternehmen bedeutet

Für Steuerdirektoren und CFOs signalisiert dieser Bericht, dass der „Abwarten-und-Zusehen“-Ansatz in Bezug auf digitale Besteuerung nicht mehr tragfähig ist. Die Hinwendung zu CTCs erfordert drei wesentliche interne Veränderungen:

  1. Datenqualität an der Quelle: In einer Echtzeitwelt gibt es kein „Monatsende“, um Fehler zu beheben. Daten müssen in dem Moment steuerlich korrekt sein, in dem eine Transaktion stattfindet.

  2. Systemagnostizismus: Da die OECD internationale Standards vorantreibt, sollten Unternehmen in flexible, interoperable Technologien investieren, anstatt in das proprietäre Format eines einzelnen Landes.

  3. Strategische Ausrichtung: Steuern sind nicht mehr nur eine Buchhaltungsfunktion; sie sind ein Echtzeit-Datenfluss. Die Integration von ERP-Systemen mit Steuerberichts-Engines ist jetzt eine strategische Priorität.

Schlussfolgerung: Ein globales Regelwerk

Die Bedeutung dieses Berichts liegt weniger in radikaler Innovation und mehr in globale Ausrichtung. Es bestätigt, dass die Zukunft der Mehrwertsteuer-Compliance in Echtzeit, digital und datengesteuert ist und dass diese Zukunft gemeinsam aufgebaut werden muss.

Während sich Europa durch ViDA (Mehrwertsteuer im digitalen Zeitalter) und andere Länder, darunter solche in Asien und Lateinamerika, wenden sich an die OECD um Orientierung, entsteht endlich ein globaler Konsens. Für Unternehmen und politische Entscheidungsträger gleichermaßen hat die OECD die Landkarte bereitgestellt. Nun liegt die Herausforderung in der vor uns liegenden Reise.


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